Sonntag, 2. Oktober 2016

Graue Fleischspaghetti

Ich hab’s geschafft und bin endlich in Tokio. Elf Stunden Flug liegen hinter mir, in denen ich, eingeklemmt zwischen zwei Japanern, versucht hab zu schlafen und meinen Po nicht taub werden zu lassen. Beides war nicht besonders einfach.

Das Essen war recht spannend. Die unglaublich nette Flugbegleiterin, die sich durchweg für jede kleine Störung entschuldigt, präsentiert einen eingeschweißten Zettel, auf dem man dann zwischen zwei Gerichten wählen darf. Das schöne dabei: Es sind Bilder der Mahlzeiten abgedruckt, sodass man die japanische Beschreibung darunter gar nicht lesen muss. Trotzdem bin ich froh, dass auch eine englische Übersetzung noch drunter stand. Größtenteils ist das Essen noch recht europäisch aber mit asiatischen Einflüssen. Da bekommt man bspw. etwas, das aussieht wie graue Spaghetti aus Fleisch. Geruchslos, geschmacklos, kurzum nicht identifizierbar. Dazu eine Tüte mit japanischen Schriftzeichen und einer hellbraunen Flüssigkeit. Nun zeigt sich der Vorteil japanischer Sitznachbarn. Ich schiele möglichst (un)auffällig nach rechts und beobachte wie der Mann die braune Flüssigkeit über die grauen Fleischspaghetti gießt. Interessant. Nicht lange nachgedacht: Das mach ich auch. Hab ja nix zu verlieren. Der Geschmack kann nur besser werden. Da fällt mir auch ein Klecks grüner Paste auf den Fleischspaghetti auf. Wasabi! Super, passt zusammen. Tatsächlich bessert sich der Geschmack erheblich. 

Als das Flugzeug 15:25 Uhr Ortszeit landet bin ich total erleichtert. Endlich aufstehen! Rumlaufen! Geiles Gefühl! Auf zur nächsten Herausforderung, ach was sag ich: Herausforderungen. Zunächst Passkontrolle und Zoll. Das dauert insgesamt fast eine Stunde, weil man zig Zettel ausfüllen muss, auf denen man bestätigt, dass man kein Krimineller ist und keine gefährlichen Substanzen oder Waffen dabei hat. Mit den ausgefüllten Zetteln kann man dann aber nahezu einfach durch die Kontrollen gehen. Schön, dass die Kriminellen hier offensichtlich so vorbildlich sind, und ihre jeweiligen Machenschaften bereitwillig per Formular preisgeben.

Jetzt noch Geld wechseln und den Voucher für den Rail Way Pass eintauschen. Völlig problemlos, denn zum Glück gibt es ausreichend englischsprachige Hinweisschilder und natürlich sind auch die Angestellten wieder überaus freundlich und hilfsbereit. Daran könnt ich mich gewöhnen.

Nachdem das alles erledigt ist, steht die größte Herausforderung des Tages an: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Hotel kommen. Es versteht sich von selbst, dass mein Hotel nicht in der Nähe des Flughafens liegt und natürlich muss ich zweimal umsteigen. Lieber nicht zu viel drüber nachdenken. Der einfahrende Zug unterbricht zum Glück auch schon jeden Gedanken, der mich davon abhalten könnte, dieses Abenteuer anzugehen. Mit dem ersten Zug fahre ich bis zu dessen Endstation. Da kann man schon mal nix falsch machen. Danach in die Linie 2, welche als Ringlinie durch die Stadt fährt. Da hat man den Vorteil, dass man beim Verpassen einer Station einfach sitzen bleibt, bis man wieder da vorbei kommt. Dauert halt nur etwas. Ich verpass zum Glück keine Station. Der letzte Zug ist eine lokale Straßenbahn. Hier erlebe ich zum ersten Mal ansatzweise, was passiert wenn mehr Menschen in den Zug wollen, als eigentlich rein passen. Glücklicherweise fahre ich nur eine Station. Es ist unglaublich warm. 17:30 Uhr erreiche ich mein Hotel. Yeah! Rumkommen in Tokio ist doch nicht so schwer wie gedacht. Zufälligerweise hat das Hotel ein Zimmer für mich frei und wieder bedanken und entschuldigen sich die Angestellten überschwänglich.

Mein Zimmer ist für die in Tokio vorherrschenden Verhältnisse ziemlich groß, verglichen mit europäischen Standards, hat es aber eher etwas von einem Kaninchenstall. Egal, frisch geduscht erkunde ich die Umgebung des Hotels. Fazit: Alles da was man braucht. Ganze drei Seven Eleven Shops in unmittelbarer Nähe, dazu zahlreiche Restaurants und Imbissläden. Juhu, ich werde nicht verhungern! Da es mir für heute mit den Abenteuern reicht, setze ich mich in ein typisch japanischen Burger King. Interessanterweise schmeckt der Whopper ganz genau wie in Deutschland.

Was ich morgen mache? Weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich erstmal einen zusätzlichen Steckdosenadapter besorgen, weil das Stromkabel vom Laptop nicht in den Adapter passt, den ich dabei hab. Mist!

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