8:04 Uhr, Frühstücksraum. Überraschend wenig Menschen. Hängt das mit der Uhrzeit zusammen? Wenn ja, werde ich jetzt immer länger schlafen. Diesmal bestelle ich das japanische Menü. Es unterscheidet sich lediglich durch die angebotenen Suppen vom Europäischen. Ich wähle Sundubu Tofu Pik Kimchi. Eine würzige Suppe mit etwas Fleisch und einem undefinierbaren weißen Klumpen irgendwas am Boden. Ich schlussfolgere: Tofu. Schmeckt nach nix aber trotzdem seltsam penetrant. Ich lasse den Klumpen in der Schüssel und beende das Frühstück. Im Vergleich zu zwei Tagen Kürbissuppe dennoch eine willkommene Abwechslung.
8:38 Uhr, Ueno Park. Schwüle, warme Luft. Der Himmel ist bewölkt. Ich laufe die Treppen zum Park hinauf und bin total verschwitzt. Ich muss mich setzen. Geht nicht. Alle Bänke schon belegt. Ein Mann wäscht sich gerade mit seinem T-Shirt den Oberkörper. Er hat vermutlich nachts auf der Bank geschlafen. Ich mache mich auf den Weg durch den Park. Bevor der angesagte Regen einsetzt, hoffe ich mir den Zoo anschauen zu können. Ich komme an den ersten Schreinen vorbei. Davor hängen Wunschtafeln. Ich wünschte, es wäre nicht so schwül. Leider habe ich keine passende Holztafel. Der Zoo macht erst 9:30 Uhr auf.9:30 Uhr, Zoo, Ueno Park. Eine Klasse Schulkinder betritt den Zoo. Nein, das ist nicht richtig, es sind mindestens fünf Schulklassen. Das ist nicht so schlimm, wie es sich vielleicht anhören mag. Die Kinder sind aufgeregt, natürlich sind sie laut, aber in ihren Uniformen mit den lustigen Hüten sehen sie einfach zu putzig aus. Selbstverständlich gibt es im Zoo zahlreiche Touristen, vermutlich auch deutsche. Durch eine mir unbekannte, aber wohlvertraute kosmische Kraft stehe ich kurz darauf hinter einem jungen deutschen Pärchen, welches sich erst gegenseitig vor den Pandabären und dann zusammen fotografiert. Ich beschließe, für den Rest des Tages ein Spiel daraus zu machen und versuche vom Sehen darauf zu schließen, ob es sich bei Touristen um deutsche handelt oder nicht. Um meine Vermutung zu bestätigen, stelle ich mich dann einfach neben die Leute und belausche sie kurz. Das ist witzig und es ist unheimlich, wie oft meine Vermutung stimmt.
11:21 Uhr, keine Ahnung wo. Am Rande des Ueno Parks sah ich ein Hinweisschild auf eine japanische Kunstausstellung. Leider habe ich wohl den falschen Eingang erwischt. Ich bin in einem sonst leerstehenden Gebäude. In einem sehr großen Raum stehen zwei Kunstwerke, eine lebensgroße Statuette eines Mädchens und eine Skulptur, welche eine Verschmelzung mehrerer Körper zeigt. Leicht verstört, frage ich einen jungen Mann an der Tür, wo ich hier wäre und ob ich Eintritt bezahlen müsste. Er versteht mich nicht. Wir schauen uns kurz hilflos an. Ich zeige die Treppe neben mir hinauf, er nickt. Ich steige die Stufen hinauf und sehe weitere seltsam geformte Gegenstände, die höchstwahrscheinlich Kunst sein sollen. In einem anderen großen Raum, stehen Tier-Skulpturen aus verschiedensten Materialien. Dazu hängt ein großes Holzflugzeug von der Decke, auf dessen Tragfläche eine Miniaturstadt nachgebildet wurde. Ich bin beeindruckt, muss aber zugeben, dass das über meinen eher mangelhaften Kunstverstand hinausgeht.
11:43 Uhr, Kunstausstellung. Nur einen Eingang weiter befindet sich die beworbene Kunstausstellung altertümlicher japanischer Kunst. Es gibt Figuren aus verschiedensten Materialien, sehr alte Stücke. Dazu herrscht eine äußerst ruhige, ja beinahe andächtige Stimmung. Beeindruckend. Es gibt auch einen kleinen Teil mit moderner Kunst. Gemälde. Eines zeigt die Köpfe der fünf Hauptfiguren aus Sailor Moon auf einem gemeinsamen Körper. Die Figur trägt ein elisabethanisches Kleid, welches ab der Hüfte abwärts nach vorn geöffnet ist. Darunter sieht man den Artenbaum, auf dessen Ästen, verschiedene Arten und Evolutionsstufen zu sehen sind. Ich stehe einige Zeit davor und versuche alle Details des Bildes zu erfassen. Ich verstehe es nicht, bin aber trotzdem fasziniert. Gern hätte ich ein Foto gemacht, aber das ist leider verboten und die Museumsangestellte beobachtet mich bereits argwöhnisch. Was hat sich der Künstler nur dabei gedacht? Was will er uns damit sagen? Ich hab das Gefühl, dass beschäftigt mich noch eine Weile.
13:14 Uhr, Nationalmuseum. Noch mehr Kunst. Diesmal geht’s um die Geschichte Japans. Das Museum ist riesig. Zur Freude meiner Beine und Füße, beschließe ich, nur die reguläre Ausstellung zu besuchen. Es geht los mit Alltagsgegenständen. Aufwendig verzierte Schatullen für Tintenschreibsets, Puderdosen, Porzellanteller, usw. Die Militärausstellung mit zahlreichen Schwertern und Samurai Rüstungen ist besonders interessant. Dazu kommt, dass bei allen Exponaten auch englische Erläuterungen dabei stehen. Beim Durchlaufen habe ich vier von fünf Deutsche richtig zuordnen können.17:28 Uhr, Yamanote Linie. Nach kurzer Erholung im Hotel, beschließe ich noch eine Runde mit der Metro durch die Stadt zu drehen und in Shibuya einen kleinen Zwischenstopp einzulegen. Was ich bisher von Shibuya zu wissen glaubte, ist einfach nur komplett untertrieben. Selten habe ich so viele Menschen und Lichter auf so wenig Platz konzentriert gesehen. Ich nehme natürlich den Hachiko Ausgang und schaue mir kurz die Hachiko Statue an. Danach reihe ich mich in die Armeen derer ein, die in wenigen Sekunden auf Kommando des grünen Ampelmännchens ihre Herschaaren über die mit weißen Strichen gekennzeichneten Flächen auf der Straße auf die entlegene Straßenseite schicken, während es ihnen die gegenüberliegende Seite gleichtut. Ein Knistern liegt in der Luft. Ich spüre, wie sich meine Muskeln anspannen. Dann springt das Ampelsignal um und hunderte von Menschen überqueren zu gleich die wohl berühmteste Kreuzung in Tokio. Umstehende Menschen fotografieren das Geschehen und verleihen ihm damit zusätzliche Bedeutung. Unglaublich! Eine einfache Straßenkreuzung.
Das Gefühl von Erhabenheit nach der erfolgreichen Überquerung der Kreuzung wirkt noch nach, als ich ein Hinweisschild auf einen IG Store sehe, in dem es aus aktuellem Anlass tonnenweise Merchandise von One Piece geben soll. Nichts wie hin! Der Store befindet sich in der sechsten Etage eines Kaufhauses in dem es sonst eher Luxusartikel gibt. Als ich den Store betrete, bin ich froh, nur wenig Geld mitgenommen zu haben, sonst wäre ich jetzt genötigt irgendwas zu kaufen. Es ist verrückt, was es alles für Waren gibt.20:34 Uhr, Hotelzimmer. Ein anstrengender Tag, aber auch lustig. In der Bahn zum Hotel, beobachte ich einen Mann im Anzug – typischer Business Typ, sehr gepflegt, vermutlich Anfang/Mitte dreißig, der auf seinem Smartphone Yu-Gi-Oh! spielt. Level 82. Ein Mann mit Hingabe, denke ich mir.
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